Sonntag, 10. Juli 2011

warum vermissen?

warum vermissen?


Ohne dich groß in Fachliteratur gewälzt zu haben, lehnst du dich wohl kaum zu weit aus dem Fenster, wenn du sagst: "Viele Emotionen lassen sich auf Instinkte zurückführen."

Geilheit ist dabei natürlich das einfachste Beispiel: Fortpflanzung, Erhalt der Rasse – Bienchen, Blümchen, Blablabla (auch wenn wir das in unserer schrumpfenden und schrumpelnden Gesellschaft gar nicht mehr so richtig bemerken). Dann sind da noch unsere Ängste und Neurosen, die, egal wie abgedreht sie sind (darf ich vorstellen? Alliumphobie, die Furcht vor Knoblauch), sich auch noch irgendwie als Selbsterhaltungstrieb verwursten lassen. Und sogar unser Ekel vor manchen Dingen ist doch letztlich auch nur eine etwas disfunktionale Alarmanlage in uns, die sagt: "Lass mal, nicht den Maikäfer anfassen, könnte ja giftig sein."

Doch dann ist da dieses eine verdammte Gefühl, dass du keinem dieser Ursprünge zuordnen kannst. Wieder und wieder stellt sich dir diese fruchtlose Frage:

Warum vermissen wir?

Warum kannst du, wenn etwas aus deinem Leben verschwindet, nicht einfach ganz MTV-like "Neeext" schreien? Und käme das dem Fortpflanzungs- und Selbsterhaltungstrieb nicht viel gelegener? Anstelle nach der nächsten suizid-kompatiblen Brücke Ausschau zu halten, sollten wir demnach besser schon dem nächsten paarungs-kompatiblen Männchen oder Weibchen nachstellen, während wir dem künftig vermissten Menschen noch den Abschiedskuss auf die Wange drücken.

Sollte es nicht so sein, dass du, wenn etwas nicht mehr da ist, es besser gleich instinktiv und emotional fallen lässt? Was du nicht (mehr) hast, solltest du auch nicht vermissen. Das einzige, was Vermissen anrichtet, ist doch Schmerz. Und den willst du nicht.

Wir werden in eine Welt geboren, in der das einzig Sichere der Tod ist. Täglich flackert er über den Bildschirm. Und wahrscheinlich musstest auch du ihn schon ohne die sichere LCD-Mauer zwischen euch beiden miterleben. Menschen kommen in dein Leben und Menschen gehen, das weißt du. Und ob freiwillig oder unfreiwillig ist dabei doch eigentlich irrelevant.

Dennoch... wenn dich nicht einmal deine Freunde von diesem pochenden Schmerz des fehlenden Teils in dir ablenken können. Wenn du kurz davor bist, die Stadt, besser gleich die ganze Welt mit "Wanted"-Postern und seinem oder ihrem Bild zu tapezieren... Was ist daran noch rational? Was ist daran noch schön?

Naja okay... schön ist zum Beispiel sein verschlafenes Gesicht, wenn er morgens neben dir aufwacht. Schön sind die unlustigen Witze, über die ihr beiden Betrunkenen als einzige Gäste auf der Party lacht. Schön ist auch dieses Meer, in das du eintauchst und in dem du am liebsten ertrinken würdest, wenn du in seine Augen blickst. Schön ist vor allem aber diese klebrig-kitschige Welt, in der du und er seit ihr euch kennengelernt habt gemeinsam herumtobt (wenn ihr euch nicht gerade vermisst). Bei Sonnenaufgang bis spät in die Nacht erklimmt ihr einen Kitschgipfel nach dem anderen. Und während dieser Touren seid ihr so unausstehlich glücklich, dass einige Menschen euch am liebsten im Park vergiften würden. Selbst DU würdest euch am liebsten im Park vergiften(oder wo auch immer sonst ihr so vollidiotisch verliebt seid)... wenn da nicht der Selbsterhaltungstrieb wäre.

Kommentare:

  1. fabelhaft!
    trifft es auf den punkt, hätte man nicht besser in worte fassen können! ♥

    allerlieste grüße

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  2. ups, ein b vergessen. naja du weißt schon was ich meine ;)

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  3. unfassbar, freundin! <3 reenie

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  4. toller text! :) sabrina

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  5. ich finde es echt super! :)
    natürlich werde ich das dann, wenn ich nun bei zeiten mal wieder auf der kö shoppen war, direkt posten :p

    liebste grüße ♥

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  6. Ich liebe es Texte von dir zu lesen!!! Was für eine Gabe, Gefühlszustände so in Worte zu fassen, dass man selbst in eine "klebrig-kitschige Welt" versinkt, aus der man nicht mehr auftauchen möchte <3 Helena

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  7. vous êtes vraiment mignonnes, les filles:)!!! Dank euch für's Lesen, echt:)!!! Bisous

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  8. Mir fehlen die Worte!! amazing;) <3
    Isi

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